Das höchstgelegene Geysirfeld der Südhalbkugel
El Tatio ist ein Geothermalfeld auf 4.320 Metern über dem Meeresspiegel in den Anden der Region Antofagasta. Mit Dutzenden Geysiren, Fumarolen und Becken mit kochendem Wasser ist es das größte Geysirfeld der Südhalbkugel und eines der größten der Welt. Der Name stammt aus dem Kunza, der Sprache des Volkes der Atacameños, und der Ort ist für die Gemeinschaften der Gegend bis heute wichtig: Seit 2014 verwalten die atacameñischen Gemeinschaften von Toconce und Caspana das Gebiet im Rahmen einer Konzession des chilenischen Ministeriums für Staatsgüter. Sie erheben den Eintritt und betreiben die Einrichtungen vor Ort (Parkplatz, Toiletten, Erste Hilfe und Umkleiden).
Warum man vor der Dämmerung aufbrechen muss
Der Besuch am Tatio findet fast immer bei Sonnenaufgang statt, und das hat einen Grund. Das Wasser tritt mit über 85 °C aus dem Boden, und wenn die Luft unter null Grad liegt, kondensiert der Dampf zu weißen Säulen, die mehrere Meter hoch werden können. Sobald die Sonne steigt und die Luft wärmer wird, ist der Dampf kaum noch zu sehen. Das beste Zeitfenster liegt etwa zwischen 5:00 und 7:30 Uhr, deshalb starten die Ausflüge in San Pedro zwischen 4:00 und 5:00 Uhr morgens.
Die Strecke ab San Pedro ist rund 90 km lang und dauert etwa anderthalb bis zwei Stunden, größtenteils auf einer Schotterstraße, die von den 2.400 Metern des Ortes auf über 4.300 Meter ansteigt. Man kann mit dem eigenen Fahrzeug fahren, muss dann aber nachts, bei großer Kälte und in großer Höhe auf einer Straße unterwegs sein, die keine Fehler verzeiht. Deshalb schließt sich die große Mehrheit der Besucher einer geführten Tour an, die auch Frühstück und Erklärungen zum Ort umfasst.
Die Höhe: der entscheidende Punkt
In wenigen Stunden von 2.400 auf 4.320 Meter zu kommen, macht vielen Menschen zu schaffen. Typische Symptome der Höhenkrankheit, vor Ort Puna genannt, sind Kopfschmerzen, Schwindel, Übelkeit und Müdigkeit. Einige praktische Tipps:
- Den Tatio erst nach zwei oder drei Tagen in San Pedro besuchen, nicht am Ankunftstag.
- Am Vortag und während des Ausflugs viel Wasser trinken.
- Am Vorabend auf Alkohol und schweres Essen verzichten.
- Oben langsam gehen und dem Guide Bescheid geben, wenn man sich unwohl fühlt.
Für Schwangere wird der Besuch nicht empfohlen oder ist nicht erlaubt, und Personen mit Herzproblemen oder unkontrolliertem Bluthochdruck sollten vorher ärztlichen Rat einholen. Die Veranstalter legen meist ein Mindestalter für Kinder fest; das lohnt sich bei der Buchung zu erfragen.
Sicherheit auf dem Geothermalfeld
Der Boden rund um die Geysire kann eine dünne Kruste über kochendem Wasser sein, und Besucher haben sich schon schwer verbrüht, weil sie den Weg verlassen haben. Die Regeln sind einfach: nur auf den markierten Wegen gehen oder dort, wo der Guide es anzeigt, Abstand zu den Becken halten und sich den Austrittsöffnungen nicht für ein Foto nähern. Ebenso gilt: keinen Müll hinterlassen und Pflanzen und Tiere nicht stören.
Wie der Ausflug abläuft
Eine typische Tour besteht aus mehreren Teilen:
- Ankunft am Geysirfeld im ersten Licht und geführter Rundgang durch die wichtigsten Bereiche.
- Frühstück vor Ort, oft vom Guide direkt neben dem Fahrzeug zubereitet.
- Je nach Tour und Bedingungen ein Bad in einem Thermalbecken der Gegend, für alle, die sich trauen, sich bei Minusgraden umzuziehen.
- Rückfahrt entlang des Río Putana und seiner Feuchtgebiete, wo häufig Vikunjas und Andenvögel zu sehen sind und mit etwas Glück Viscachas zwischen den Felsen.
- Halt in Machuca, einem kleinen Dorf mit Lehmhäusern, Strohdächern und eigener Kirche auf rund 4.000 Metern.
Der gesamte Ausflug dauert etwa 6 bis 7 Stunden; zurück in San Pedro ist man am späten Vormittag oder gegen Mittag, mit Zeit zum Ausruhen vor einer Nachmittagsaktivität. Unter den Tagesausflügen in San Pedro de Atacama lassen sich Routen und Zeiten vergleichen.
Beste Reisezeit
El Tatio lässt sich das ganze Jahr besuchen. Im Winter (Juni bis August) ist es kälter und der Dampf meist eindrucksvoller, allerdings können die Temperaturen bei Sonnenaufgang deutlich unter null fallen, und Schnee kann die Straße erschweren. Im Sommer bringt der sogenannte Altiplano-Winter, etwa von Januar bis März, nachmittags Gewitter, die manchmal die Hochlandrouten beeinträchtigen. In jedem Monat ändert sich das Wetter der Puna schnell: Die lokalen Guides wissen, ob die Straße befahrbar ist, und passen die Abfahrtszeit an die Jahreszeit an.
Was man mitnehmen sollte
- Wirklich warme Kleidung: Funktionsunterwäsche, Fleece, Daunen- oder Isolationsjacke, Mütze, Handschuhe und dicke Socken. Bei Sonnenaufgang herrscht Frost.
- Geschlossene Schuhe mit guter Sohle.
- Sonnenbrille und Sonnencreme: Sobald die Sonne da ist, ist die Strahlung in dieser Höhe sehr stark.
- Wasser und einen Snack, auch wenn das Frühstück meist inbegriffen ist.
- Badekleidung und Handtuch, falls die Tour das Thermalbecken einschließt.
- Ausweis und Bargeld für den Eintritt, falls er nicht inbegriffen ist.
Viele kleiden sich im Zwiebelprinzip und legen Schichten ab, sobald es wärmer wird; mittags in San Pedro kann es heiß sein.
Eintritt und Buchung
Der Eintritt wird separat am Zugang an die Gemeindeverwaltung gezahlt, sofern er nicht in der Tour enthalten ist. Der Betrag ändert sich von Zeit zu Zeit, daher lohnt es sich, ihn vorher zu prüfen. Gruppentouren lassen sich außerhalb der Hochsaison ein bis zwei Tage im Voraus buchen; in den Sommer- und Winterferien oder an langen Wochenenden besser früher. Am besten Veranstalter wählen, die beim Sernatur, der staatlichen Tourismusbehörde Chiles, registriert sind.
Lokale Guides in San Pedro de Atacama
Auf Trekonda kann man die lokalen Guides in San Pedro de Atacama ansehen und direkt kontaktieren, ohne Vermittlungsprovision. Fragen lohnt sich nach Abfahrts- und Rückkehrzeit, ob Eintritt und Frühstück enthalten sind, nach der Gruppengröße, den Sprachen des Guides und ob das Fahrzeug Sauerstoff oder eine Erste-Hilfe-Ausrüstung für die Höhe an Bord hat.
Häufige Fragen
Wann starten die Ausflüge zum Tatio?
Meist zwischen 4:00 und 5:00 Uhr morgens in San Pedro, um bei Sonnenaufgang anzukommen.
Wie kalt ist es?
Bei Sonnenaufgang liegt die Temperatur meist unter null, im Winter auch deutlich darunter. Sobald die Sonne scheint, wird es schnell wärmer.
Ist die Höhe gefährlich?
Für die meisten nicht, wenn sie sich vorher zwei oder drei Tage in San Pedro akklimatisieren. Schwangere und Menschen mit Herzproblemen sollten darauf verzichten oder ärztlichen Rat einholen.
Lässt sich der Ausflug mit einer anderen Aktivität am selben Tag kombinieren?
Ja. Da man am späten Vormittag zurück ist, machen viele nachmittags noch eine Aktivität, etwa im Valle de la Luna. Die Tagesausflüge helfen bei der Planung der Tage.